Männer, Wasserbetten und Spannbettlaken

Jun
08

Heimwerker Könige und Herren, die sich mehr schlecht als recht im Haushalt versuchen, sind den Frauen meistens ein Graus. Noch schlimmer sind diese besonderen Gattungen, wenn sie mehr reden, als sie wirklich an Können aufzuweisen haben. Auch ich kenne einen solchen Spezialisten, sein Name tut nichts zur Sache, aber die Geschichte ist erzählenswert. Es begann alles mit dem Thema Wasserbett kaufen. Im Internet sollte das Möbelstück der Extraklasse bestellt werden. Da die Fußball Jahreskarte einiges an Geld kostet, kann beim Einkauf vom Mobiliar ja einiges gespart werden, dachte sich der Fuchs und bestellte das Wasserbett nur mit dem Service der Lieferung. Aufbauen kann ich es doch selbst, schnappte er in seine zweifelnde Umgebung und zog beleidigt von dannen, als er nicht die erhoffte Zustimmung und einen Vorschuss an Beifall erhielt.

 

Nun war der große Tag gekommen; wie vereinbart wurde das Wasserbett am frühen Vormittag geliefert. Voller Tatendrang unterschrieb der Künstler vor dem Herrn den Lieferschein, schleppte die Einzelteile nach oben ins Schlafzimmer und packte erst einmal alles aus, natürlich nicht, ohne das alte Bett gleich zu zerlegen. Die Frage, ob er vielleicht Hilfe benötigen würde, verneinte er verächtlich. Seine kluge Gattin dachte nicht lange nach, zog sich um und verließ den gemeinsamen Haushalt, um erstens nicht zu stören, zweitens nicht im Weg zu stehen, und drittens, um nicht etwas zu sagen, was im Entferntesten nach Kritik aussehen könnte. Ein Besuch bei der buckligen Verwandtschaft war immer noch besser, als zuzusehen, wie das Verderben seinen Lauf nahm.

 

Die mit gelieferte Bettwäsche und das Spannbettlaken, welches gleich zum Bett dazu bestellt wurde, landete noch vor dem Verschwinden der Hausfrau achtlos in der Ecke, und die Verabschiedung lautete, sie solle nicht zu lange wegbleiben, denn sonst wäre die Bettwäsche schon das erste Mal benutzt, so schnell sollte das nun alles von Statten gehen.

 

Als die Frau am Abend zurückkehrte, sah sie gleich das Spannbettlaken am gleichen Fleck liegen, an welchem es so achtlos hingeworfen wurde. Der Sockel des Wasserbetts war ja schon beinahe fertig, und das alles in weniger als acht Stunden! Voller Respekt wollte sie ihrem Mann huldigen, und ihn fragen, in welchem Hotel sie für die nächsten Wochen ein Zimmer buchen sollte, dass er sich von seiner anstrengenden Tätigkeit erholen konnte. Das Wort blieb ihr im Halse stecken, als sie sein wenig von guter Laune zeugendes Gesicht, seine eingebundene Hand und die eisige Atmosphäre im Raum bemerkte. Nein, sie sagte jetzt nichts über Aufbauservice, kompetente Fachleute und Selbstüberschätzung. Sie eilte von dannen, um eine Tasse Kaffee zu holen, und dann die Ärmel hochzukrempeln, die Aufbauanleitung zu suchen und stillschweigend mitzuhelfen. Binnen kurzer Zeit stand das Wasserbett dann doch noch an seinem Platz. Das Spannbettlaken wurde aufgezogen, die nagelneue Bettwäsche folgte sogleich. Nun mussten nur noch die Teile des alten Betts nach unten in die Garage getragen werden, was die Ehefrau selbstverständlich als ihre Aufgabe ansah. Noch schnell staubgewischt und gesaugt, und schon konnte man sich bettfertig machen. Und als das Paar ermüdet, aber froh endlich nebeneinander im Bett lag, sagte mein Mann: Na, Schatz? Das hab ich doch Klasse hinbekommen, oder?

 

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